Plyometrisches Training beschreibt eine Form des Schnellkrafttrainings, bei der der Muskel-Sehnen-Apparat durch kurze, dynamische Belastungsreize angesprochen wird. Ziel ist es, die Fähigkeit des Körpers zu verbessern, Kraft sehr schnell aufzubauen und wieder abzufangen. Beim Pferd nutzt man dafür weniger „Sprungübungen“ wie im Humanbereich, sondern vielmehr natürliche Bewegungsanreize wie Steigungen, Gefälle, wechselnde Untergründe und gezielte Tempowechsel. Auch Stangenarbeit gehört dazu (für Hallenreiter:innen unter uns 🙂
Der biomechanische Hintergrund ist dabei der sogenannte Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus. Wenn eine Struktur erst kurz gedehnt und dann sofort wieder aktiv verkürzt wird, kann sie gespeicherte elastische Energie nutzen. Beim Pferd betrifft das vor allem die muskuläre Arbeit in Kombination mit Sehnen und Faszien in den Gliedmaßen. Gerade im Gelände lässt sich dieser Mechanismus sehr gut ansprechen, ohne dass das Pferd künstlich zu Bewegungen aufgefordert werden muss, die nicht zu seiner natürlichen Motorik passen.
Besonders bergauf wird die Hinterhand gefordert. Das Pferd muss sich gegen die Schwerkraft nach vorne und oben abdrücken, wodurch Kruppe, Hinterhandmuskulatur und rumpfstabilisierende Strukturen arbeiten. Bergab liegt der Schwerpunkt stärker auf der exzentrischen Kontrolle: Das Pferd muss seine Masse bremsen, stabilisieren und ausbalancieren. Das trainiert vor allem Bauchmuskulatur, Trageapparat und Koordination. Wanderwege mit Wurzeln, Senken, Kurven oder leicht unebenem Boden fördern zusätzlich die Propriozeption, also die Fähigkeit des Pferdes, Stellung und Bewegung seines Körpers ständig fein anzupassen.
Wichtig ist, dass diese Form des Trainings immer dosiert eingesetzt wird. Zu viele Wiederholungen, zu steiler Untergrund oder ungeeignete Bodenverhältnisse können den Bewegungsapparat unnötig belasten. Sinnvoll ist ein gutes Aufwärmen, eine kurze Belastungsdauer und ausreichend Regeneration zwischen den Einheiten. Besonders junge, unreife oder nicht ausreichend vorbereitete Pferde sollten nicht in ein intensives plyometrisches Training geschickt werden. Sehnengesundheit ist Voraussetzung!
Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein Pferd wird zunächst (Minimum 20 Minuten) im lockeren Schritt aufgewärmt. Danach wird zunächst eine moderate Steigung im Gelände genutzt. Das Pferd geht zunächst im aktiven Schritt hinauf, später eventuell in wenigen, kraftvollen Trab- oder Galoppreizen. Wichtig ist dabei nicht Tempo, sondern sauberes Abfußen und kontrolliertes Hinauftragen des Körpers.
Im Anschluss folgt eine entspannte Schrittphase auf flacherem Boden. Schon dieser kleine Wechsel setzt gezielte Reize für Hinterhand, Rumpf und Koordination, ohne das Pferd zu überfordern. Wichtig: Belastung langsam und adäquat steigern.
Wenn es um die Themen Reaktion, Schnelligkeit, Zulegen und Zurücknehmen geht, verbessern wir garantiert auch unsere eigene Hilfengebung. Denn wir als Reiter:innen müssen natürlich auch reaktionsfähig sein.
Das Training ist sehr anspruchsvoll, daher sollte es zu Beginn einer Arbeitseinheit stattfinden, wenn das Nervensystem und die Muskulatur noch „frisch“ sind.
Es gibt noch viel mehr Trainingsmöglichkeiten. Vielleicht hast du ja Lust dich weiter in dieses Thema einzulesen. Oder gar selber Übungen hierzu zu machen.
Auf meinem Instagram Account nehme ich dich gerne mit in mein eigenes Training mit meinem Pferd Vigdis. In den kommenden Wochen werde ich hierzu Stories veröffentlichen.
Ich bin deutlich dressurgeprägt von meiner Tätigkeit am Mooswaldhof in Vörstetten. Daher verbinde ich dressurmässige Arbeit unwahrscheinlich gerne mit meinen örtlichen Gegebenheiten, die sich ausschließlich im Gelände befinden.
Ich hätte nie gedacht, dass ich ohne Reithalle oder Ovalbahn so glücklich und gesunderhaltend mit meinem Pferd unterwegs sein kann.
